Wohlbefinden auf letztem Weg

Wohlbefinden auf letztem Weg – Palliative Patientenhilfe veranstaltet Fachforum im CPH in Hanau

Hanauer Anzeiger vom 08.10.2013

Hanau (mum). Die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit ist für die meisten Menschen ein Tabuthema. Etwas, womit sie sich in Zeiten voller Saft und Kraft nicht beschäftigen wollen. Gleichwohl steht ein möglichst schmerzfreies Sterben in vertrauter Umgebung bei fast jedem ganz oben auf der Wunschliste. Diese beiden losen Enden zusammenzufügen, hat sich die Palliative Patientenhilfe auf die Fahnen geschrieben.

Am Samstag veranstaltete der Förderverein dazu ein öffentliches Fachforum im CPH. „Was wünschen wir uns am Ende des Lebens?“ Dieser Satz stand über der Veranstaltung, zu der der Verein eine nicht unerhebliche Zahl von interessierten Besuchern im Brüder-Grimm-Saal des CPH begrüßen konnte. Seine Vorsitzende, Dr. Maria Haas-Weber, sagte in ihrer Begrüßung, kaum eine andere Frage beschäftige die Menschen mehr, gleichzeitig aber erscheine sie als eine Art Bedrohung, die im Alltag keinen Platz habe. Diese diffuse Angst vor einem Tod voller Qual, Schmerzen und Einsamkeit werde aber durchaus peu à peu kleiner mit dem Wissen, dass inzwischen zahlreiche Netzwerke zu diesem Thema bestünden. Netzwerke wie die Palliative Patientenhilfe, die Hospizbewegung und viele mehr. Das Sterben verliere ein Stück von seinem Schrecken, rücke immer ein bisschen mehr aus seiner Tabu-Ecke raus: „Wer darüber redet, beginnt, den Tod als Teil des Lebens zu begreifen“, so Haas-Weber.

Palliativmedizin sei zudem viel mehr als nur die Verabreichung von Schmerzmitteln am Ende. Es gehe vielmehr um das Wohlbefinden rundherum für den Sterbenden: „Verlässlichkeit und Vertrauen sind Geschwister der Verantwortung. Das ist die Grundlage der Hospiz- und Palliativbewegung“, sagte die Fachärztin. Oberbürgermeister Claus Kaminsky, der die Schirmherrschaft über das Fachforum übernommen hatte, dankte dem Förderverein und gab unumwunden zu, als junger Klinikdezernent vor knapp 20 Jahren noch nie von dem Thema „Palliativmedizin“ gehört zu haben: „Sie haben das mit Ihrer Arbeit zu einem Tagesthema gemacht. Aber am Ende ist das kein Glück, das einfach vom Himmel gefallen ist, sondern das ist Menschenwerk.“

Den Fachtag hatten die Organisatoren in mehrere Module aufgeteilt: Die Leitfrage „Was wünschen wir uns am Ende des Lebens?“ wurde aus Sicht des Patienten, aus gesellschaftspolitischer und dann nochmal aus ärztlicher Sicht beleuchtet. Am Ende hatten die Besucher Gelegenheit bei einer Plenumsdiskussion mit den Referenten ins Gespräch zu kommen. Für die passende musikalische Untermalung sorgten gekonnt und auf den Punkt der Leiter der Hanauer Kantorei, Christian Mause, am
Klavier und Theo Ruppert mit seiner Violine.

Die einzelnen Sichtweisen der Referenten hätten unterschiedlicher kaum sein können: Friedrich Karl Barth, Pfarrer in Rente, hatte eine ganze Reihe von Gedichten, zum Teil eigenen Liedtexten und Zitaten zum Thema Sterben und Tod mitgebracht und nahm die Zuhörer mit auf eine Zeitreise durch die Kulturen, gespickt mit eigenen Erfahrungen und Erzählungen. Marlene Rupprecht, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Hospiz- und Palliativ Verbands und ehemalige Bundestagsabgeordnete, sah das Ganze durch die eher pragmatische Brille und stellte ihren Vortrag unter den Aspekt „Was kann und muss die Politik tun?“.

Last but not least kam mit Dr. Michael Ridder ein Arzt zu Wort, der mit seiner Tätigkeit als Rettungsmediziner und jetzigem Geschäftsführer eines Hospizes in Berlin dem Tod auf vielfältige Art und Weise nahe gekommen ist und immer noch kommt. Seine Sicht verband eindrucksvoll Alltagstauglichkeit mit Menschlichkeit. Die Besucher im CPH dürften am Ende des Fachforums viel zum Nachdenken mit nach Hause genommen haben. Und vielleicht die Erkenntnis, dass der Tod eben tatsächlich zum Leben dazugehört.

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